Wenn das Baby schreit – in den ersten Lebensmonaten

Wenn das Baby schreit das Idealbild von einem Baby sitzt oder liegt rosig, rund und lächelnd auf der Krabbeldecke und spielt zufrieden vor sich hin

Wenn das Baby schreit – Die Realität: Ihr Kind denkt gar nicht daran, Ihnen eine Atempause zu gönnen, es schreit – und wie!

Wenn das Baby schreit - in den ersten Lebensmonaten Nichts bringt uns so an die Grenzen unserer Nervenkraft wie ein schreiendes Kind, und in den ersten Lebensmonaten passiert das ziemlich häufig. Doch ein schlechtes Gewissen, Gefühle des Versagens und Selbstvorwürfe belasten in dieser anstrengenden Zeit nur zusätzlich. Auch wenn andere Mütter das Gegenteil behaupten: es gibt kein Patentrezept, keinen Knopf zum Abstellen für die quälende »Sirene«. Sie bekommen mit der Geburt Ihres Kindes nicht automatisch das richtige Gehör für seine Bedürfnisse. Sie müssen sich erst kennen lernen. Haben Sie Geduld mit Ihrem Kind – und mit sich selber. Halten Sie sich immer vor Augen: Ihr Kind schreit nicht, um Sie zu ärgern.

 

Wenn das Baby schreit – Warum müssen Babys schreien?

Um endgültig mit alten Vorurteilen aufzuräumen: Schreien ist weder gesund noch stärkt es die Lungen. Ein Baby brüllt, weil es Hunger hat, weil die Windel voll ist, weil ihm zu heiß oder zu kalt ist, weil es Bauchweh hat, weil es Nähe braucht, weil es überanstrengt ist oder weil ihm langweilig ist. Sie als Mutter werden versuchen, diese Ursachen auszuschließen, indem Sie Ihr Kind stillen, wickeln, seine Körpertemperatur im Nacken überprüfen, sein Bäuchlein massieren, es in den Arm nehmen oder sich mit ihm beschäftigen. Oft gelingt es Ihnen, Ihr Kind zu beruhigen – ein tolles Gefühl.
Doch manchmal ist das Baby schier untröstlich. Es hat Schwierigkeiten, die wir nicht begreifen. Meist vermuten wir Anpassungsprobleme des noch unreifen Verdauungssystems, die berüchtigten »Koliken« . Da das Baby sich anfangs noch wenig bewegen kann, lösen sich diese Blähungen nur schwer von selber. Doch es gibt noch eine ganze Reihe anderer möglicher Gründe. Forscher sind weiteren Anpassungsschwierigkeiten an das Leben außerhalb des Mutterleibs auf die Spur gekommen:

• Das Baby hat noch keinen Tag-Nacht Rhythmus. Da seine Schlafphase (im Gegensatz zu später) immer mit einer leichten Unruhe beginnt, nehmen es die Eltern hoch, dadurch wird es gestört und findet trotz Müdigkeit keinen Schlaf mehr. Passiert das häufig, kann es seinen eigenen Rhythmus überhaupt nicht aufbauen. Es wird müde, überdreht und »knatschig«.
• Auch das Wetter kann der Auslöser für Geschrei sein. Das Baby reagiert noch sehr empfindlich auf Föhn, Wetterumschläge, Sturm oder Temperaturstürze. Sind die Eltern ebenfalls wetterfühlig, haben sie an kritischen Tagen selbst Probleme und reagieren weniger geduldig.
• Schon in den ersten Wochen möchte ein Baby seine Umwelt verstehen und beeinflussen. Es möchte integriert sein.

SICHERER UMGANG· SCHREIEN

Nicht immer schläft oder strahlt Ihr Baby. Es hat kritische Tage und Stunden wie Sie auch. Bleiben Sie gelassen – und suchen Sie nicht die Schuld bei sich. Dabei stößt es häufig an Grenzen, erlebt Hilflosigkeit, Unverständnis und Verzweiflung. Die Eltern andererseits fühlen sich von den Ansprüchen des Kindes überfordert und grenzen sich noch mehr ab – ein Teufelskreis.

 

Wenn das Baby schreit – Wieviel Babys schreien

Babys sind sehr unterschiedlich, so auch ihr Weinen. Doch Verhaltensforscher haben durch Untersuchungen bestimmte Durchschnittswerte ermittelt:
• In den ersten 2 Wochen gelten 2 Dreiviertelstunden, also insgesamt etwa 1 3/4 Stunden Geschrei als normal.
• Von der 6. bis zur 12. Woche steigt die Schrei Dauer nochmals um 1 Stunde, um von der 12. Woche an langsam auf 1 Stunde am Tag zu sinken.
• Als exzessive Schreihälse gelten Babys, die länger als 3 Wochen an mehr als 3 Tagen der Woche länger als 3 Stunden schreien. 15 Prozent der Babys sind davon im ersten Vierteljahr betroffen, mit einem halben Jahr nur noch 5 Prozent. Typische Schrei Stunden finden meist zwischen 18.00 und 23.00 Uhr statt.

 

Wenn das Baby schreit – Wie Sie Ihr Kind beruhigen können

Ein Baby kann man nicht verwöhnen! Sein Schreien ist eine Botschaft an Sie, und es ist nur natürlich, dass Sie darauf reagieren. Wie das richtet sich nach der Ursache des Weinens. Doch eines ist gewiss: Je schneller Sie Ihr Kind trösten, desto eher beruhigt es sich. Untersuchungen ergaben, dass Babys, die mehr als 5 Minuten schreien, kaum noch zu beruhigen waren. Und die kleine Schreihälse, deren Eltern im ersten Vierteljahr auf den Kummer direkt eingingen, in den folgenden Monaten ruhiger wurden. Alle Versuche, den Babys das Schreien durch Ignorieren oder Abschieben abzugewöhnen, hatten den gegenteiligen Effekt: die Babys waren auch später ausgesprochene Schreihälse, und sie waren auch weniger kommunikativ als ihre »verwöhnten« Genossen. Weint Ihr Kind, sollten Sie also recht bald zu ihm gehen, nachsehen und trösten.

 

Wenn das Baby schreit – Tipps, wenn gar nichts mehr geht

Wenn es Hunger hat, gewickelt werden muss, ihm zu heiß oder zu kalt ist oder es sich nur einfach Ihrer Nähe vergewissern möchte, fällt die Beruhigung leicht. Doch fehlt Ihrem Baby nichts von alledem und schreit es immer weiter, sollten Sie eine der folgenden Methoden ausprobieren. Nur Mut, nicht gleich aufgeben, wenn es beim ersten Mal nicht klappt!

• Nehmen Sie Ihr Baby nicht gleich hoch. Schaukeln oder schieben Sie den Wagen oder das Bettchen in gleichmäßigem Rhythmus hin und her – so lösen sich auch Blähungen. Wer nur ein großes Bett hat, nimmt den Kinderwagen einfach in die Wohnräume.
• Hat Ihr Kind seinen Daumen noch nicht entdeckt, kann ihm ein Schnuller helfen, sein Saug Bedürfnis zu befriedigen.
• Ziehen Sie sich mit Ihrem Kind ins Bett zurück. Legen Sie es sich auf den Bauch, schmusen Sie, singen Sie, das tut Ihnen beiden gut.
• Hat Ihr Baby »feste« Schrei Zeiten, machen Sie in dieser Zeitspanne immer einen Spaziergang mit ihm. Dann fällt Ihnen nicht die Decke auf den Kopf, und Ihr Kind wird durchs Fahren, durch die Geräuschkulisse und die frische Luft ruhiger.
• Die Flieger Haltung hilft bei Bauchweh, das Tragen im Tragetuch, wenn Ihr Kind Ihre Nähe braucht.
• Vielleicht hört es gerne Musik? Dann setzen Sie sich hin – das Baby an Ihrer Schulter -, und genießen Sie zusammen Entspannungsmusik. Oder Sie nehmen Ihr Kind auf den Arm und tanzen im Zimmer, wenn ihm das hilft.
• Bringen Sie über dem Bettchen ein Mobile an, legen Sie ein Püppchen oder weiches Schmuse Tier zu Ihrem Baby aber immer dasselbe.

SPEZIELL FÜR VÄTER

~ Wenn Ihr Baby einmal einen ganz· schlechten Tag erwischt und die geplagte Mutter bis an den Rand ihrer Nerven gebracht hat, hilft oft ein Wechsel in der Betreuung. Wenn es Ihnen beruflich möglich ist, schenken Sie Ihrer Frau ein paar Stunden Ausgang, oder machen Sie selbst einen kleinen Ausflug mit dem Baby. Ihre Frau kann so etwas Abstand zum Kind gewinnen und neue Kraft tanken, während Sie vielleicht erstaunt feststellen, dass sich Ihr Schreihals in Ihrer Gesellschaft tatsächlich beruhigt.

Wenn das Baby schreit – SICHERER UMGANG SCHREIEN EXTRA-TIPP

Wickeln Sie Ihr Kind fest ein wie in alten Zeiten. Viele unruhige Babys werden dadurch ruhiger. Man vermutet, dass sie sich an die vertraute Enge im Mutterleib erinnert fühlen. Legen Sie eine etwa

I x I m große Decke oder ein Moltontuch zu einem Dreieck zusammen; die Spitze zeigt nach unten. Legen Sie Ihr Kind auf dem Rücken so auf die Mitte des langen Randes, dass sein Kopf knapp über die Decke herausragt. Schlagen Sie erst die eine Seite um Ihr Baby, und stecken Sie den Zipfel unter seinen Rücken. Dann wickeln Sie die andere Seite ganz fest um Ihr Baby. Nun klappen Sie das spitze untere Ende des Tuches an den Füßen Ihres Babys nach hinten um.

Wenn das Geschrei an Ihren Nerven zerrt

Nichts setzt Mütter mehr unter Stress als »grundloses« Geschrei, das nicht enden will. Versuchen Sie jetzt vor allem nicht noch, um jeden Preis Ihren Tagesablauf, Ihre Planung, Ihre Arbeit durchzuführen. Wenn Sie sich zu sehr unter Druck setzen, werden Sie ungeduldig, und Ihr Kind verzweifelt. Lassen Sie lieber fünf gerade sein, und gehen Sie auf den Rhythmus Ihres Kindes ein. Dann haben Sie am ehesten die Aussicht, Zwischendurch auch wieder zu Ihrem Recht zu kommen. Gestehen Sie sich auch negative Gefühle, Wut und Zorn gegenüber Ihrem Baby zu. Das ist eine menschliche Reaktion auf ständige Schlaflosigkeit, Gefühle der Unzulänglichkeit und Überforderung.
Doch es kann gefährlich werden, wenn diese Gefühle mit Ihnen oder Ihrem Mann durchgehen. In solchen Momenten des Zorns helfen die Bauchatmung und Entspannungsübungen, die man in der Geburtsvorbereitung gelernt hatte. Auch Singen und Reden hilft, Aggressionen nicht ins Uferlose steigen zu lassen.

Wichtig!

Stress führt zu Verkrampfung. Achten Sie darauf, das Ihre Kinn- und Mundpartie entspannt ist, dann bleiben Sie insgesamt lockerer. Notfalls legen Sie Ihr Baby lieber hin und gehen in einen anderen Raum, um zu sich zu kommen.

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