Die Milchbildung -Stillen das beste für Ihr Kind

Die Milchbildung die Produktion der Muttermilch gleicht einem kleinen Wunderwerk. Unzählige Vorgänge laufen Hand in Hand

Die Milchbildung angefangen von den einzelnen Brustzellen über die Hormone bis hin zur Psyche.

Die Milchbildung -Stillen das beste für Ihr Kind In den Brüsten gibt es jeweils 15 bis 20 Brustlappen. Das sind einzelne Stränge, die sternförmig durch die Brust zur Warze hin verlaufen. Jeder einzelne Strang besteht aus mehreren Drüsengruppen (Alveolen). Diese sitzen wie dicke Trauben auf den Strängen, verbunden sind sie durch einen Milchkanal. Jede dieser „Trauben“ besitzt etwa 10-100 „Weinbeeren“. Jede einzelne dieser Beeren produziert Milch. Entscheidend ist nun, dass jede Beere von einer Muskelschicht umhüllt ist, die vom Hormon Oxytocin stimuliert werden kann, sich zusammen zuziehen. Sobald dieser Reiz auftritt, presst die Beere (Alveole) ihre produzierte Milch aus einer Drüse in winzige Kanäle hinaus, sodass sie schließlich über den Milchkanal in Richtung Brustwarze läuft. Vor der Brustwarze sammelt sich die Milch von allen Milchkanälen der Brust in kleinen Speichern, den Milchseen.

Diese liegen unter dem Warzenvorhof und können relativ viel Milch speichern. Wenn das Baby die Warze samt Vorhof in den Mund nimmt, presst es mit Zunge und Kiefer diese Milchseen leer.

Die Milchbildung -Zusammenspiel der Hormone

Bereits in der Schwangerschaft kurbeln mehrere Hormone die Entwicklung der milchbildenden Zellen an. Alle zusammen sorgen dafür, dass in den letzten Tagen oder Wochen vor der Geburt die erste Milch (Kolostrum) zur Verfügung steht. Nach der Geburt ist verstärkt das Hormon Prolaktin aktiv. Seine Produktion wird durch das Saugen angeregt.

Der Milchflussreflex

Unmittelbar nachdem das Kind zu saugen beginnt, verschicken Nervenendungen in den Brustwarzen die Meldung zur Hypophyse ins Gehirn, sofort das Hormon Oxytocin freizusetzen. Dieses Hormon sorgt dafür, dass sich die milchbildenden Zellen zusammenziehen und die Milch in die Milchkanäle hinauspressen.

Die Milchbildung -Die Muttermilch

Muttermilch ist ähnlich wie Blut zusammengesetzt, enthält im Unterschied dazu aber keine roten Blutkörperchen. Dafür liefert sie weiße Blutkörperchen (Leukozyten), die den kindlichen Organismus vor Krankheiten schützen. Außerdem versorgt sie ihn mit Immunschutzstoffen, Enzymen, Hormonen und anderen Vitalstoffen, die eine gesunde Entwicklung des Neugeborenen fördern. Sie sollte reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen sein, weshalb Sie jetzt genauso auf die Qualität Ihrer Ernährung achten müssen wie während der Schwangerschaft. Muttermilch ist aber nicht gleich Muttermilch – ihre Zusammensetzung passt sich immer den Bedürfnissen des Kindes an.

 

JEDE MENGE MILCH

~ Die Milchbildung hängt von den Bedürfnissen Ihres Kindes ab, denn: Je mehr Ihr Baby an Ihrer Brust saugt, desto mehr Prolaktin (zur Milchbildung) und Oxytocin (zur Milchabgabe in die Milchgänge) werden freigesetzt.

Die Milchbildung – Kolostrum

Sie ist die erste Milch, die bereits in der Schwangerschaft gebildet wird und dem Baby sofort nach der Geburt zur Verfügung steht. Diese Milch ist sehr cremig, sahnig und leicht gelblich. Viel davon gibt’s nicht, aber genug, um das Baby in den ersten zwei bis drei Tagen satt zu bekommen. Denn das Kolostrum ist sehr nährstoffreich – es enthält wesentlich mehr Eiweiß als die spätere Muttermilch, mehr Vitamin A, B- Vitamine, Vitamin E und Mineralien wie Zink, aber weniger Fett und weniger Zucker. Hinzu kommt seine abführende Wirkung. Damit hilft es dem Baby, das Kindspech (Mekonium) zügig auszuscheiden und seinen Verdauungstrakt zu reinigen.

Die Milchbildung -Übergangsmilch

Sobald die Milch in die Brüste einschießt, verdünnt die neue Übergangsmilch das Kolostrum. Die Milch wird mit jedem Tag weniger cremig, und ihr Gehalt an Eiweiß und Antikörpern sinkt leicht.

Die Milchbildung – Reife Frauenmilch

Etwa zwei Wochen nach der Geburt produzieren die Brüste die reife Frauenmilch. Sie enthält überwiegend Wasser, kombiniert mit Fett, Eiweiß, Zucker, Vitaminen und Mineralstoffen. Dabei unterscheidet man die Vormilch von der Nachmilch: Sobald das Baby trinkt, fließt die Vormilch. Sie liefert weniger Kalorien, dafür viel Flüssigkeit – sie stillt also den Durst. Nach wenigen Minuten fließt die Nachmilch mit etwa doppelt so viel Kalorien, und sie stillt den Hunger.

 

Anleitung zum Stillen

So, wie ein massives Haus auf einem stabilen Fundament steht, können auch Sie für das Stillen eine sichere Basis schaffen. Wenn Sie bei jedem Anlegen auf folgende Gegebenheiten achten, steht einer erfolgreichen Stillbeziehung zu Ihrem Baby nichts mehr im Wege.

 

Basis zum erfolgreichen Stillen

> Amerikaner drücken es mit einem Wort aus: Relax! Genauso ist es: Machen Sie sich vor jeder Stillmahlzeit locker, entspannen Sie sich, genießen Sie die kommenden Minuten, in inniger Beziehung zu Ihrem Kind. Trubel, Hektik oder negativ eingestellte Menschen sind jetzt fehl am Platz.
> Ganz gleich, in welcher Position Sie stillen möchten – diese Haltung sollte in jedem Fall bequem sein. Achten Sie darauf, dass Sie Ihren Arm, in dem das Baby liegt, gut abstützen und möglichst auch Ihre Beine und Füße entlasten. Sonst sind Rücken- und Handgelenks Probleme vorprogrammiert. Organisieren Sie alles, was Sie fürs komfortable Stillen brauchen, z. B. Fußbank oder Hocker, Stillkissen, Nackenrolle, Duftlämpchen, frischen Kräutertee, den lieben Partner …
> Auch wie Sie anlegen, ist entscheidend: Führen Sie stets das Kind zur Brust und nicht die Brust zum Kind. Ganz wichtig: Das Baby darf nicht nur die Warze, sondern muss auch 2 bis 3 cm vom Warzenhof in den Mund nehmen. Erst dann saugt es richtig.
> Wann immer Sie Fragen oder Probleme haben oder einfach nur unsicher sind: Zögern Sie nicht, in der Klinik die Säuglingsschwester oder die Nachsorge Hebamme um Rat zu bitten. Diese bei sind fit in Sachen Stillen! In manchen Kliniken arbeiten sogar speziell ausgebildete Stillberaterinnen.

 

Das erste Anlegen

So hilflos ein Neugeborenes aussehen mag, ein Überlebens Instinkt ist gleich angeboren: Sehr bald nach der Geburt sucht das Baby die Brustwarze und beginnt zu saugen – vorausgesetzt, es ist nicht durch eine schwierige Geburt oder durch Medikamente beeinträchtigt

Clever: Sogar im Dunkeln findet das Baby Ihre Brustwarze – zum einen, weil es die heraustropfende Muttermilch riecht, und zum anderen, weil die Warze wärmer ist als die übrige Brust. Durch seine Begabung, Schluck- und Atemtechnik zu koordinieren, kann ein Baby gleichzeitig trinken, schlucken und atmen – eine Fähigkeit, die später verloren geht.

Gut im Griff

Die Milchbildung -Stillen das beste für Ihr Kind

Beliebt bei den Hebammen und Stillberaterinnen ist der so genannte C-Griff. Beispiel: Wenn Sie Ihr Baby an die linke Brust anlegen möchten, liegen die vier Finger der rechten Hand ca. 3 cm von der Warze entfernt unter der Brust. Der Daumen liegt lose ca. 3 cm oberhalb der Brustwarze auf. In dieser Haltung ist die Hand praktisch zu einem „C“ geformt. Ziel: Die Brust soll richtig gestützt werden, die Brustwarze ist in Höhe des Mundes, das Baby bekommt nicht nur die Warze, sondern auch den Warzenvorhof in den Mund, und Ihre Finger drücken die Milchseen nicht ab.

 

Stillen im Liegen

Die Milchbildung -Stillen das beste für Ihr Kind

Diese Position ist besonders im Wochenbett empfehlenswert, denn damit schonen Sie Ihren Dammbereich. So geht’s: Legen Sie sich auf dem Boden, dem Sofa oder im Bett auf eine Seite. Strecken Sie den Arm über den Kopf aus, sodass Sie mit der Schulter flach aufliegen. Ihren Kopf sollten Sie mit einem Kissen stützen. Legen Sie nun den Bauch des Babys an Ihren Bauch, sein Mund sollte auf der Höhe Ihrer Brustwarze sein. Mit der freien Hand können Sie Ihrem Kind die Brust im C-Griff anbieten. Damit es nicht wegrutscht, sollten Sie den Rücken des Säuglings mit einem Kissen oder einer Handtuchrolle abstützen. So ist es für Mutter und Kind bequem.

 

Stillen im Sitzen

Die Milchbildung -Stillen das beste für Ihr Kind

Bei vielen Müttern beliebt und häufig ausgeübt – Stillen im Sitzen

 

Auch „Wiegegriff‘ genannt. Nehmen Sie das Baby so in den Arm, dass es auf der Seite liegt und mit Kopf, Bauch und Beinen Ihnen zugewandt ist. Ohr, Schulter und Hüfte des Kindes sollten eine gerade Linie bilden. Wenn Sie das Baby z. B. links anlegen möchten, sollte sein Köpfchen in Ihrer linken Armbeuge liegen, der rechte Arm des Babys liegt unter Ihrem Unterarm, zeigt in Richtung Taille. Mit Ihrem linken Unterarm stützen Sie seinen Rücken, Ihre linke Hand hält seinen Po. Jetzt können Sie das Kind zur Brust führen. Wichtig: Nicht umgekehrt! Achten Sie bei dieser Stillposition unbedingt darauf, dass Sie den Arm abstützen, in dem Ihr Baby liegt, z. B. durch ein Kissen oder sogar durch ein Stillkissen. Ebenso sinnvoll ist eine Bank, ein Hocker oder ein Schaumstoffwürfel, auf den Sie Ihre Beine legen können.

 

Stillen im Rückengriff (Fußballhaltung)

Die Milchbildung -Stillen das beste für Ihr Kind

Eine Position, die besonders bei Frauen mit großen Brüsten oder nach einem Kaiserschnitt (bei empfindlicher Narbe) zu empfehlen ist. Aber auch dann, um die äußeren, unteren Bereiche der Brust zu leeren. Hierbei liegt das Baby nicht vor Ihrem Bauch, sondern an Ihrer Seite; mit den Füßen nach hinten. Positionieren Sie dazu zwei bis drei große Kissen an die Hüftseite, an der Sie das Baby anlegen
möchten. Legen Sie Ihr Kind mit seinem Rücken auf die Kissen, die Füße nach hinten. Ihr Unterarm stützt den Rücken des Babys, sein Kopf liegt in Ihrer flachen Hand. So können Sie ihm die Brust anbieten. Diese Position heißt übrigens deswegen auch „Fußballhaltung“ oder „Fußballerstellung“, weil man beim amerikanischen Football so den Ball unter dem Arm hält …

 

Wenn Sie Ihr Baby von der Brust abnehmen wollen, es aber noch nuckelt, nehmen Sie den kleinen Finger der freien Hand und führen ihn zwischen Brustwarze und Mundwinkel des Kindes. Der Sog wird unterbrochen, das Kind lässt los.

Wie oft und wie lange anlegen?

Generell sollten Sie nach Bedarf stillen, d. h., wenn Ihr Baby Hunger hat. Im Idealfall trinkt ein Baby maximal 15 Minuten an der einen Brust, macht kurz Pause und ein „Bäuerchen“ und trinkt noch mal 15 Minuten an der anderen Brust. Die nächste Mahlzeit folgt nach vier Stunden. Es ist aber auch in Ordnung, wenn Ihr Baby zehn oder 20 Minuten an einer Brust saugt und zwei Stunden später erneut trinken will.

Das sollten Sie wissen:

Längst widerlegt ist die Meinung, dass zwischen zwei Stillmahlzeiten (vom Anfang zum nächsten Anfang) mindestens zwei Stunden Pause liegen sollten. Kommt frische Milch auf halb verdaute Milch, müssen deshalb noch keine Blähungen auftreten.

 

WANN STILLEN?

~Stillen nach Bedarf bedeutet, Baby und Mutter signalisieren, wann immer sie eine Stillmahlzeit einläuten möchten. Ein Baby, wenn es Hunger hat, und eine Mutter, wenn ihre Brust prall und schwer wird. Selbst wenn das Baby niedlich schlafend im Stubenwagen liegt und keine Anzeichen von Hunger zeigt, darf eine Mutter das Kind ohne Probleme zum Stillen wecken, wenn sie das Bedürfnis hat.

~ Wenn Ihr Baby nach dem Trinken an der ersten Brust so erschöpft ist und einschläft, können Sie es ruhig zwischendurch wickeln. Dadurch wird es wieder munter und trinkt an der zweiten Brust.
~ Nur wenige Babys trinken beide Brustseiten auf einmal leer. Beginnen Sie bei der nächsten Mahlzeit unbedingt mit der Brust, an der es zuletzt (weniger) getrunken hat. So können Sie sicher sein, dass auch auf dieser Seite die Milchbildung aufrechterhalten wird. Tipp: Ein Wollfaden, um den jeweiligen BH – Träger geknotete, erinnert an die zuletzt angelegte Brustseite.
~ Achten Sie auch für sich auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr.

Das gute, alte Bäuerchen

In jungen Jahren freut man sich über ihn, im späteren Alter ist er tabu: der Rülpser. Beim Trinken kann Luft in den Bauch gelangen, die für Blähungen sorgt. Durch Aufstoßen kommt die ungebetene Luft nach außen. Um ein „Bäuerchen“ zu machen, sollten Sie Ihr Baby an Ihre Schulter legen und mit Ihrer hohlen Hand sanft zwischen seine Schulterblätter klopfen. Meistens kommt dann innerhalb weniger Minuten der Aufstoßer. Wichtig: Saugt Ihr Kind gierig und hastig, schluckt es wahrscheinlich Luft mit und muss aufstoßen. Gehört Ihr Kind zur Kategorie „gemütlicher Genießer“, muss es wahrscheinlich nie ein Bäuerchen machen.

Schreibe einen Kommentar