Das Neugeborene die ersten Stunden im Leben eines Säuglings

Das Neugeborene ein gerade geborenes Kind erinnert in keiner Weise an das Bild eines rosig prallen Babys, das unsere Vorstellungen beherrscht

Das Neugeborene viel treffender wäre die Bezeichnung »Menschen junges«. Von der Käseschmiere bedeckt, wahrscheinlich etwas blutig, bläulich- rötlich verfärbt und noch die lange Nabelschnur mit der Plazenta verbunden, liegt es da.

 

Das Neugeborene die ersten Stunden im Leben eines Säuglings Wenn Sie es abgenabelt und trocken in Ihre Arme nehmen und wenn es getrunken hat, werden Sie Ihrem Baby in die Augen sehen. Und fasziniert sein: In den ersten Stunden und Tagen nach der Geburt haben Babys einen ganz besonderen, fast weisen Blick und Gesichtsausdruck, und man hat immer unwillkürlich das Gefühl, dass sie einen weiten Weg hinter sich haben.

Die Biologen sehen das ganz sachlich. Sie bezeichnen ein Baby auch als zu früh geborenen Fötus mit einem unreifen Gehirn, der etwa ein Jahr braucht, um ein lebenstüchtiges Kind zu werden.

Andererseits: Dumm sind Neugeborene keinesfalls! Wir wissen durch die Neugeborenen Forschung heute eine ganze Menge über ihre erstaunlichen Fähigkeiten. Über ihr Seelenleben und ihre Psyche dagegen ist noch wenig bekannt – darüber können wir nur Mutmaßungen anstellen.

Der französische Frauenarzt und Geburtshelfer Frederick Leboyer lehrte uns, die Geburt aus der Perspektive des Geboren Werdens zu betrachten und das Neugeborene entsprechend zu empfangen. Diese Haltung der Achtung, Liebe und Ehrfurcht vor dem kleinen Wesen, das Wissen um die Bedeutung der ersten Stunden und Tage, haben zu einem anderen Umgang mit Neugeborenen geführt.

 

Das Neugeborene – Die große Umstellung

Das Geburts- geschehen wird meist aus dem Blickwinkel der Mutter betrachtet. Doch was bedeutet der mühevolle Weg aus der Höhle der Gebärmutter ans Tageslicht für das Kind?

 

  • Nach der gleichmäßigen Wärme im Mutterleib ist es einem Kälteschock ausgesetzt. Deshalb ist es wichtig, das Neugeborene gleich abzutrocknen und am besten mit einem Tuch bedeckt auf den Bauch seiner Mutter zu legen. Von nun an muss sein Körper selbständig für Temperaturausgleich sorgen. Anfangs hilft ihm dabei ein Polster von braunem Fettgewebe um den Hals, die Schultern, die Nieren und die Aorta. Dieses Gewebe, das das Baby nach einiger Zeit verliert, hat die Fähigkeit, automatisch Wärme zu entwickeln, wenn das Kind zu stark abkühlt.
  • Während das Fruchtwasser das Baby im Mutterleib fast schweben ließ, wirkt jetzt die Schwerkraft auf seinen Körper. Das macht jede Bewegung – vor allem die des großen Kopfes – zu einer unerhörten Anstrengung. Wenn es auf dem Rücken liegt, kann es höchstens den
    Kopf zur Seite rollen lassen. Arme und Beine bewegen. Seine Lage kann es nicht verändern.
  • Die Haut, die vorher nur mit dem weichen Fruchtwasser in Kontakt kam, wird jetzt mit Trockenheit. mit für das Baby rauhen und kratzenden Berührungen konfrontiert. Deshalb tut dem Neugeborenen ein warmes Bad vor dem ersten Ankleiden oft gut; die fetthaltige Käseschmiere sollte als Schutz für die ersten Tage erhalten bleiben und nicht abgeseift werden. Und es sollte auch in den ersten Stunden möglichst viel Hautkontakt haben.

 

So hilflos ein Neugeborenes körperlich auch noch ist: Es verfügt schon über erstaunliche geistige Fähigkeiten!

 

  • Erst mit dem Moment der Entbindung braucht der Säugling Sauerstoff, also Luft! Während der Passage durch den Geburtskanal wird das Fruchtwasser aus den Atemwegen gepresst. Zur Sicherheit saugt der entbindende Arzt die Rest Flüssigkeit aus den oberen Atemwegen. Beim ersten Atemzug füllen sich die Lungenbläschen mit Luft, die die Flüssigkeit verdrängt und den Lungen Kreislauf in Gang setzt.
  • Durch die veränderten Druckverhältnisse nach dem ersten Atemzug schließen sich 3 Ventile, eines davon zwischen den beiden Herzkammern. Dadurch nimmt der Blutfluss einen anderen
    Weg: Das Baby bekommt einen von der Mutter unabhängigen Kreislauf. Das geschieht im Laufe von Minuten, also nicht urplötzlich. Deshalb wird heute die Nabelschnur erst durchtrennt, wenn
    sie nicht mehr pulsiert. Das scheint die Blutmenge zu erhöhen, die das Baby mit auf seinen Weg bekommt.
  • Im Mutterleib kennt das Baby keinen Hunger. Erst nach der Trennung der Blutversorgung muss es selber für Energienachschub sorgen. Anfangs hilft dabei der Zucker im Fruchtwasser, das es noch im Magen hat. Doch nach der Geburtsarbeit braucht das Baby dringend Nahrung, denn es hat wenig Energiereserven. Deshalb sind die ersten Schlückchen Vormilch, die es von Ihnen nach der Geburt bekommt, besonders wichtig.
  • Das Baby erblickt buchstäblich das Licht der Welt. Im Mutterleib hielt es die Augen geschlossen, und durch seine Lider drang nur schummriges Dunkel. Ist es geboren, öffnet es die Augen. Deshalb sollte es nicht gleich von Licht überflutet und geblendet werden, sondern sich langsam an die Helligkeit draußen gewöhnen dürfen.
  • Während es im Mutterleib die Töne, auch die Stimme der Mutter, nur gedämpft wahrgenommen hat, dringt nun jeder Laut ungehemmt an sein Ohr. Mütter wissen das unbewusst und reden mit
    ihrem Neugeborenen in gedämpftem Tonfall. Gut, wenn alle anderen im Raum sich auch so verhalten. Insgesamt ist das Neugeborene also einer ungeheuren Veränderung unterworfen. Wir können ihm den Eintritt in die Welt erleichtern. Aber wir müssen keine Angst um ein gesundes Baby haben. So zerbrechlich und hilflos es scheint, es ist den Anforderungen des Lebens gewachsen.

 

Das Neugeborene – Was der Neuankömmling  jetzt schon kann

Das Neugeborene die ersten Stunden im Leben eines Säuglings

  • Das Allerwichtigste zu Beginn: Das Neugeborene kann schon saugen. Durch Ultraschallaufnahmen weiß man, dass Föten schon im Uterus am Finger lutschen – eine gute Übung. In der ersten Stunde nach der Geburt ist die Bereitschaft zu trinken besonders ausgeprägt.Deshalb sollte die Mutter ihr Neugeborenes Baby sobald wie möglich anlegen. Der sogenannte Such Reflex hilft ihm, die Brustwarze zu finden und zu fassen. Es lernt zu trinken, bekommt die wertvolle Vormilch. Zu einem späteren Zeitpunkt fällt es dem Baby nicht mehr so leicht, das Trinken zu erlernen.
  • Babys sind nicht blind. Doch im Uterus können sie nur hell-dunkel unterschieden. Nach der Geburt sehen sie noch sehr unscharf, am besten aber Gegenstände in 20 cm Entfernung – das
    entspricht dem Abstand des mütterlichen Gesichtes beim Stillen.
  • Babys hören schon 3 Monate vor der Geburt. Ihr Mittelohr ist in den ersten Tagen noch von Fruchtwasser gefüllt. Das dämpft den Geräusch Sturm, der mit der Geburt aufs Baby eindringt. Es reagiert am positivsten auf menschliche Stimmen, und zwar auf sanfte, hohe Töne. Es hat sogar einen größeren Tonbereich als Erwachsene in den oberen Tonlagen. Und es kann von Geburt an Geräuschquellen lokalisieren.
  • Der Geruchssinn hilft dem Neugeborenen, den Busen seiner Mutter zu finden. So kann es auch bei Dunkelheit die Nahrungsquelle finden. Er scheint der reifste aller Sinne zu sein.
  • Der Geschmackssinn eines Neugeborenen hat schon eine Vorliebe: süß. Er ist einseitig auf die natürliche Milchnahrung programmiert. Alles andere schmeckt dem Baby einfach nicht, und das wird lange so bleiben.
  • Schließlich kann schon ein Neugeborenes schreien, wenn auch nur sehr dünn. Damit besitzt es eine Überlebens wichtige Fähigkeit: Es kann seine Eltern zu Hilfe rufen.

 

ANGEBORENE REFLEXE

Reflexe sind Reaktionen, die nicht bewusst gesteuert, sondern automatisch ausgelöst werden können. Sie werden vom ältesten Teil unseres Gehirns, dem Stammhirn, gesteuert. Das Neugeborene hat viele Reflexe, die es im Laufe der ersten Monate verliert. Man nimmt heute an, dass sie Hinweise auf unsere Entstehungsgeschichte sind – Relikte unserer primitiven Vorfahren. Erst das Verschwinden dieser Reflexe erlaubt die Entwicklung bewusster Handlungen und Bewegungen.

 

Einige Reflexe können Sie leicht selber auslösen:

  • Wenn Sie Ihren Zeigefinger in die Handfläche oder gegen die Fußsohle Ihres Kindes drücken, schließen sich seine Finger um Ihre Hand, und die Füßchen machen ebenfalls eine, wenn auch vergebliche, Greif Bewegung.
  • Hat das Baby das Gefühl einer Veränderung des Gleichgewichts, öffnet es Arme und Beine breit nach allen Seiten, streckt also buchstäblich alle Viere von sich und schließt dann wieder die Arme (Moro-Reflex).
  • Halten Sie ein Neugeborenes so, dass seine Füße eine Unterlage berühren, macht es Schritt Bewegungen, als ob es losmarschieren wollte.
  • Das erste Lächeln, das sogenannte Engels Lächeln gehört ebenfalls zu den unbewussten Reflexen und wird als Überraschungs Reaktion gedeutet Sie können es häufig schon durch leichtes Pusten auf die Wange Ihres Babys auslösen, allerdings frühestens am Ende der ersten Woche.
  • Ein lebenswichtiger Reflex ist der Such Reflex, der Ihnen beim Anlegen hilft:
    Wenn Sie Ihr Baby mit Ihrer Brust oder einem Finger an der Wange berühren, dreht es so lange den Kopf hin und her, bis es die Brustwarze gefunden hat, und spitzt dabei sein Mündchen. Erst danach ist es bereit zu trinken.

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